Durch das Jahr in GB - 4. Quartal

Oktober

Halloween

Halloween ist der zweite Feiertag, den die Iren nach Grossbritannien gebracht haben, diesen aber mit dem Umweg über Amerika. Auch in Grossbritannien gehen heutzutage Kinder von Haus zu Haus, um Süssigkeiten zu betteln, und ältere Kinder feiern Parties in Grusel-Kostümen. Leider gibt's auch viele Randale, Schlägereien und Verwüstungen in dieser Nacht, ein unangenehmer Nebeneffekt.

November

Bonfire Night

Im Jahre 1605 versuchte am 5. November eine Gruppe katholischer Aufständischer, das Parlament in London mit Schiesspulver in die Luft zu jagen. Damit wollte man König James I. töten und eine katholische Herrschaft in England installieren. Die Sache ging aber schief, der "Gunpowder Plot" wurde verraten, und man fand den armen Guy Fawkes, der wohl nur ein Handlanger war, im Keller des Parlamentsgebäudes zusammen mit 36 Fässern Schiesspulver, welche wohl im Falle einer Zündung einen riesigen Krater in das Zentrum der Hauptstadt gerissen hätten.

Seitdem feiert man an diesem Tag die Rettung des Königs. An diesem Tag werden Freudenfeuer (Bonfires) entzündet und Feuerwerke abgebrannt, ähnlich bei uns an Silvester. Man toasted Marshmellows oder röstet Kartoffeln im Feuer, und an manchen Orten wird eine Puppe verbrannt, die den glücklosen Guy Fawkes darstellen soll. Das ganze wird aber eher humorvoll als patriotisch angesehen, und es ist einfach nur ein Grund zum Feiern.

Jeder in Grossbritannien kennt das dazu gehörende Gedicht:

Remember, Remember, the fifth of November
The Gunpowder treason and plot
I know no reason
Why gunpowder and treason
Should ever be forgot

Poppy
Poppy

Rememberance Day

Am 11.November, dem Jahrestag des Waffenstillstands von 1918, wird der Gefallenen des ersten Weltkrieges gedacht. Zu dieser Jahreszeit sieht man viele Briten mit einer angesteckten Plastik-Mohnblume am Revers, weshalb der Tag auch "Poppy Day" genannt wird. Diese werden von Veteranen-Organisationen für gemeinnützige Zwecke verkauft. Die Mohnblume hat ihren Ursprung darin, dass nach den blutigen Kämpfen in Flandern und der Picardie der Klatschmohn die einzige Blume war, welche auf den Gräberfeldern wuchs. Ähnlich dem Volkstrauertag werden am 11. November (oder dem nächstliegenden Wochenende) offizielle Feierlichkeiten mit Kranzniederlegungen begangen.

St. Andrew's Day

Scottisch Flag: St. Andrew's Cross

St Andrew, in Deutschland der Apostel Andreas genannt, ist der Schutzheilige von Schottland, daher ist auch der Andreastag am 30. November als "St. Andrew's Day" der Nationalfeiertag dort. Anders als in England und Wales ist dieser Tag seit 2006 ein offizieller Feiertag. Ein richtiger Feiertag ist das aber wiederum doch nicht, denn die Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, an diesem Tag frei zu geben.

Andreas war ein Apostel, wie sein Bruder Petrus, und wie dieser war er ein Fischer. Nach Jesu Tod sollte er ebenfalls gekreuzigt werden. Auf seinen Wunsch hin wurde er an einem X-förmigen Kreuz festgebunden, denn er sah sich nicht würdig, an einem gleichartigen Kreuz wie Jesus zu sterben. Daher heisst dieses X-förmige Kreuz heute Andreaskreuz.

Teile der sterblichen Überreste von St. Andrew kamen im 7. oder 8. Jahrhundert nach Schottland, angeblich aufgrund übernatürlicher Kräfte, an dem Ort, wo heute die Stadt St. Andrews steht. Es gibt aber auch weltliche Erklärungen dafür wie z.B dass man mit dem Bruder von Petrus die Sympathie des Papstes gewinnen wollte, um einen Verbündeten gegen England zu haben.

Wie auch immer die Gebeine nach Schottland kamen, das weisse Andreaskreuz auf himmelblauem Hintergrund bildet heute die Fahne von Schottland.

An diesem Tag gibt es zwar offizielle Feierlichkeiten, aber generell finden an diesem Tag weniger Aktivitäten statt wie an Burn's Night im Januar.

Dezember

Weihnachten

Weihnachten ist wohl mit Abstand der wichtigste Feiertag auf der Insel. Für keinen anderen Feiertag wird mehr Aufwand betrieben.

Weihnachtskarten

Das geht schon im November los mit dem Besorgen der Geschenke, und - viel wichtiger - mit dem Versenden der Grußkarten. Die gesamte Verwandschaft und Bekanntschaft bekommt Grusskarten geschickt, das wird generalstabsmässig geplant, damit man auch ja niemand vergisst. Das schlimmste, was passieren kann, ist eine Karte von jemandem zu bekommen, dem man selbst keine Karte geschickt hat. Da muss sofort reagiert werden!

Christmas Cracker
Christmas Cracker

Aber Karten werden nicht nur versendet. Am Arbeitsplatz tauscht man die Weihnachtskarten einfach miteinander aus. Das Ganze hat dann irgendwann zur Folge, dass man eine beträchtliche Menge an Karten mit frohen Grüssen im Haus hat. Diese zeigt man auch gern, stellt sie z.B. ins Fenster, oder man hängt sie an Schnüren quer durch's Wohnzimmer, wo die Karten dann von den Besuchern bewundert werden können. Wenn man als Deutscher dies anspricht, hört man Sachen wie "ja, ich weiss, es ist lächerlich, aber was soll man machen?" Wenn auch Gleichgültigkeit zur Schau gestellt wird: man würde um keinen Preis darauf verzichten wollen.

Christmas Cracker

Natürlich gibt es auch die obligatorischen betrieblichen Weihnachtsfeiern. Da diese meist in Pubs oder Restaurants abgehalten werden, haben diese sich längst darauf eingerichtet. Was bedeutet: die Menge und die Qualität gehen runter und die Preise rauf. Diese Weihnachtsfeiern sind leicht zu erkennen, denn alle tragen die traditionellen bunten Papierkronen, welche in den "Christmas Crackers" zu finden sind, welche immer dazugehören. Das sind kleine Tischfeuerwerke in der Form eines überdimensionierten Bonbons, die knallen, wenn man die Enden auseinander zieht. Darin sind dann je nach Preislage mehr oder weniger billige Spielzeuge, sowie die besagte Papierkrone. Traditionell wird ein Cracker mit dem Tischnachbarn zusammen geöffnet, jeder zieht an einem Ende, und wer danach den grossen Teil mit dem Inhalt hält, dem ist das Glück hold.

Mince Pie mit Sahne
Mince Pie mit Sahne

Mince Pies

Als Dessert oder einfach zum Tee werden in der Weihnachtszeit die sogenannten Mince Pies gegessen. Das sind kleine Teigtaschen aus süssem Mürbeteig, die mit dem sogenannten Mincemeat gefüllt sind. Dies wird zumeist falsch mit Hackfleisch übersetzt, ist aber rein vegetarisch. Man kann es am ehesten als eine Art Marmelade aus getrockneten Früchten mit Gewürzen bezeichnen. Früher hat man sowohl das Mincemeat als auch die Mince Pies selbst gemacht, heute kauft man diese ready made. Im Norden der Insel heissen diese Mince Pies übrigens "Happy Month".

Shopping

Wenn's dann auf das Fest zugeht und die Hürden des Kartenversendens und des Geschenkekaufens erfolgreich überwunden sind, kommt die nächste Herausforderung: Shopping. An Heilig Abend machen die Supermärkte früher auf, meistens um 6 Uhr. Während an anderen freien Tagen da noch gähnende Leere herrscht, stehen an diesem Tag um 6 Uhr morgens schon die Massen vor dem Supermarkt und warten auf das Öffnen der Türen. Es ist unglaublich, was an diesem Tag (und auch denen davor) los ist: Ehepaare z.B. gehen mit 2 Einkaufswagen rein und füllen beide bis zum Überlaufen. Da wird massenhaft eingekauft, und die armen Angestellten bemühen sich nach Kräften, die Regale wieder aufzufüllen. Unmengen an Geld werden in der Vorweihnachtszeit ausgegeben, kaum ein Kunde hat eine Rechnung unter 100 Pfund.

Man kauft deshalb so viel, weil man das Weihnachtsfest perfekt haben will. Es darf an nichts fehlen, ob Gemüse oder Wein, jede Eventualität wird bedacht. Wie gesagt, es ist der wichtigste Feiertag im Jahr, deshalb soll es auch nicht daran scheitern, dass man sich das eigentlich gar nicht leisten kann. Es gibt nicht wenige Briten, die den Weihnachtseinkauf mit einem Kredit bezahlen, der dann mühsam abgezahlt werden muss.

Ein witziges Detail beim Weihnachts-Einkauf ist der Rosenkohl. Dieses Gemüse fristet im Rest vom Jahr eher ein Schattendasein. An Weihnachten jedoch hat jeder Supermarkt körbeweise Rosenkohl, und der geht weg wie die berühmten warmen Semmeln. Das liegt daran, dass Rosenkohl traditionell zum Weihnachtsfest gehört, und ohne ist es eben nicht perfekt. Und das, obwohl niemand in Grossbritannien die "Brussel Sprouts" wirklich mag. Das meiste wandert dann in den Müll, denn nach Weihnachten will man das erst recht nicht essen. Schade drum.

Panto Season

Weihnachtszeit ist Panto(mimen)-Zeit. Dieses Wort bedeutet im englischen Sprachraum etwas anderes als im Deutschen, denn wer dunkel gekleidete und weiss geschminkte Mimik-Künstler erwartet, der wird sein grellbuntes Wunder erleben. Es handelt sich vielmehr um ein Musiktheater, bei dem das Publikum lautstark einbezogen wird.

Basis ist meist ein Märchen, die Klassiker sind Cinderella (Aschenputtel) und Aladdin, wobei die Verteilung der Rollen unabhängig vom Stück fast immer gleich ist: es gibt den jungen Helden, der meist durch eine aufreizende junge Frau gespielt wird, seine grosse Liebe, ebenfalls eine junge Frau, dann die sogenannte Panto Dame, eine Art Matrone, die durch einen Mann dargestellt wird, und den Komiker, der in Kindersprache mit dem Publikum redet. Und natürlich nicht zuletzt den Bösewicht, der dunkel gekleidet ist und stets mit Buh-Rufen aus dem Publikum begrüsst wird.

Während der Handlung wird dann ständig das Publikum einbezogen, bis zum Gesangswettbewerb zwischen zwei Hälften des Publikums. Der Klassiker ist, wenn das Publikum gefragt wird, wo der Übeltäter ist, während dieser sich im Hintergrund rumtreibt; und das Publikum lauthals schreit "He's behind you!", was zumeist mit "oh no he isn't!" beantwortet wird, und das Publikum wiederum "oh yes he is!" zurückgibt. Wer also sein Klischee vom steifen und wortkargen Briten korrigieren will, braucht bloss eine Pantomime zu besuchen. Aber man sollte sich vielleicht nicht gleich in die erste Reihe setzen, denn dann wird man unter Umständen vorgeführt als jemand, der nicht richtig mitschreit oder mitsingt. Dann muss man vor allen aufstehen und das alleine machen, zum Vergnügen von Publikum und Darstellern.

Pantos gibt es von der Amateur-Auffuehrung im Dorf bis zum Londonder Westend mit hochkarätigen Schauspielern. Es ist aber auf jeden Fall ein grosser Spass für jung und alt.

Das Fest

An Heilig Abend, wenn alles eingekauft wurde, kann man die Ruhe vor dem Sturm geniessen, vielleicht noch abends in die Kirche gehen, und mancherorts gibt es auch Mitternachtsmessen. Geschenke werden, im Gegensatz zu Deutschland, erst am Weihnachtstag verteilt

Wenn dann der grosse Tag kommt, wird es ruhig im Land. So wenig Verkehr wie am Weihnachtsmorgen hat es sonst nie im Jahr. Aber ruhig ist es nur draußen, denn drinnen gibt es die Geschenke. Da sitzt die Familie zusammen und die Geschenke werden ausgepackt, während der Festbraten schon im Ofen gart. Anschliessend folgt das grosse Familienfest, und ein Höhepunkt ist die Ansprache der Queen nachmittags. Schon allein deswegen würden die Briten nie auf die Monarchie verzichten wollen. Der Tag vergeht dann mit Unmengen von Essen, inklusive Rosenkohl, und Getränken (Klassiker ist der Cream Sherry), bis man irgendwann nicht mehr kann.

Boxing Day Sales

Der zweite Weihnachtsfeiertag, in englischsprachigen Ländern "Boxing Day" genannt, ist dann das genaue Gegenteil zum ersten. Hat man tags zuvor die großen Familienfeierlichkeiten mitgemacht, geht es nun zu den "Boxing Day Sales", d.h. zum Einkaufen für die Sonderangebote, die an diesem Tag massenhaft in den Läden zu finden sind. Dies findet vor allem in großen Ketten und Einkaufszentren statt. Man sollte meinen, dass die Briten nun genug vom Shoppen hätten nach all dem Vorweihnachtszeit-Stress. Weit gefehlt, in den Innenstädten ist die Hölle los, und dies ist einer der umsatzstärksten Tage für gewisse Geschäfte, vor allem Elektrowaren und Möbel sind die Renner.

Nach Weihnachten werden Restposten wie Weihnachtskarten und Christmas Crackers zum halben Preis verscherbelt, was viele Briten gerne annehmen, denn das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt und man kann nie zu früh anfangen mit der Planung....